PS: Bildungsauftrag mit Füßen getreten – zur neuesten Panikaktion der Sächsischen Staatsregierung

Peter Weinholtz, stellvertretender Vorsitzender des FDP-Ortsverbands Freital-Wilsdruff kommentiert die gestern vorgestellten Beschlüsse der Sächsischen Landesregierung zur Kürzung der Unterrichtszeit ab 2019 (Bericht des MDR):

Wir kleben ein Etikett  mit „Gold“ drauf – da nehmen uns die Bürger dann sicher gerne unser „Katzengold“ ab – scheint zumindest das sächsische Kabinett zu denken. Denn anders lässt sich dessen neuester  Kunstgriff, die massive Einschränkung der Zahl der Unterrichtssunden im nächsten Schuljahr beschönigend mit den Worten zu verkaufen, damit sollten die Schüler entlastet werden und diese sollten so mehr Freiräume für individuelles Lernen erhalten, kaum erklären.

Fakt ist, dass damit nur die krasse Schläfrigkeit kaschiert werden soll, unter der die CDU-geführte Regierung in den letzten Jahren litt. Die Lehrerproblematik ist hausgemacht. Welche Bereiche der Bildung gegenüber als prioritär bevorzugt wurden, mag dahinstehen. Geld allein regelt nicht alles, wie auch die Staatsregierung nunmehr erkennen muss. Zu einer guten Bildungspolitik gehört auch eine vorausschauenden und nachhaltige Planung, nicht nur das geheime Hoffen darauf, dass sich die Beschulungssituation der Altersstruktur der Lehrerschaft schon anpassen wird. Die hierfür erforderliche „kluge Kraft“ hat die CDU wohl bereits in Gänze auf ihren früheren Wahlplakaten verpuffen lassen. Auch mit der Verbeamtung als „Lockstoff“ lässt  sich nicht alles ausbügeln.

Das Theaterstück, das nunmehr dem Bürger zugemutet wird, sollte über die Uraufführung hinaus jedoch nicht weiter gespielt werden – es ist einfach zu schlecht. Denn statt den Lehrstoff insgesamt zu entfrachten, einerseits unnötigen Ballast daraus zu entfernen  und andererseits für die heutige Zeit und die Zukunft unserer Demokratie und unserer Kinder und Enkel wichtige Lehrinhalte in diesen aufzunehmen, wird nun – mal ganz von den ebenfalls gravierenden Einschnitten in den anderen Bereichen abgesehen –  im gymnasialen Bereich die Stundenzahl auf das Minimum dessen reduziert, das gerade noch für die Anerkennung des Abiturs ausreichend ist. Da fehlen einem doch die Worte.

Bildung bestimmt die Zukunft unserer Kinder (© Dieter Schütz / pixelio.de)

Zukunft im sächsischen Bildungssystem
© Dieter Schütz / pixelio.de

Der den Schülern nun großzügig gebotene Freiraum für individuelles Lernen kommt  – wenn überhaupt – nur denjenigen zugute, die bereits über die persönliche Reife verfügen, diesen Freiraum auch dazu zu nutzen oder aber jemanden zuhause haben, der ihnen hierbei Hilfe bietet. Dieser „Freiraum“ wird in der Realität nicht etwa lediglich dem Nacharbeiten des in der Schule vermittelten Stoffes, sondern eher dazu dienen, sich den aufgrund des Zeitmangels in der Schule nicht oder nur rudimentär behandelten Pflichtstoff selbst anzueignen. Ist hierzu jeder Schüler in der Lage? Hat jeder ggf. das Geld für die eventuell erforderliche Nachhilfe, die er nur deswegen braucht, weil der staatliche Bildungsauftrag schlecht erfüllt wird?

Die Frage stellen heißt in diesem Falle, sie auch zu beantworten, leider mit Nein. Soll damit auf diese Weise ein nicht unbeachtlicher Teil der Schüler entmutigt werden und durchs Notenraster fallen? Oder wollen wir – was die FDP seit Langem fordert, Chancengleichheit im Bildungssystem und „weltbeste Bildung“? Wenn ja, so ist klar, wo das „Kreuzchen“ bei den Wahlen im nächsten Jahr zu machen sein wird.


In der Reihe “PS – Persönlicher Standpunkt” werden persönliche Ansichten und Meinungen von Mitgliedern des Ortsverbands oder von Mandatsträgern im Verantwortungsbereich des Ortsverbands zu ausgewählten tagespolitischen oder gesellschaftlichen Themen dargestellt. Diese geben nicht zwangsläufig die Meinung des Ortsverbands oder der Mandatsträger wieder.

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